Werkschau der GEDOK Wuppertal in der Ruhr Gallery Mülheim vom 16. bis 31. Mai 2026
Einführung: Dr. Jutta Höfel

Samstag, 16. Mai 2026, 16.00 Uhr, Galerie an der Ruhr, Ruhrstraße 3, 45468 Mülheim a.d. Ruhr

Im Rahmen dieser Werkschau der Fachabteilung Bildende Kunst der GEDOK Wuppertal e.V. vermitteln die Künstlerinnen einen Einblick in ihr aktuelles künstlerisches Schaffen.

Die GEDOK-Autorin Dr. Jutta Höfel wird im Rahmen der Vernissage einen umfassenden Ein- und Überblick über die ausgestellten Exponate vermitteln.

Auf einer Sonderfläche werden verschiedenste Exponate der Künstlerinnen zum direkten Kauf angeboten, wobei ein Teil des Verkaufspreises als Spende an die Aktion „Wünsche wagen“ geht.

Rundgang durch die GEDOK Jahresausstellung 2026

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Einführung von Dr. Jutta Höfel

Im Erdgeschoss

Susanne Müller-Kölmel zeigt in ihrem Zweiteiler „Das Dazwischen“ ein Elternpaar mit Kleinkindern vor einer Grabstätte, in deren Mitte ein Bäumchen in angedeuteter Blüte steht – eine allegorische Darstellung unseres Zeit-Raums von der Geburt bis zum Tod. Das Gemälde „Back her up“ in der oberen Etage lässt uns an einer Frauendemonstration 1918 teilhaben, über die der spätere deutsche Gesetzestext zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern fließt und uns aus der Geschichte heraus zum heutigen Stand der Emanzipation befragt.

Mit ihren vielschichtigen Gemälden der Serie „concealed“, die punktuell in der Galerie verteilt sind, fordert Heidi Becker unsere Vorstellungskraft heraus durch den Kontrast kaum bewegter Oberflächen und partiell aufgedeckter lebhafter Untergründe. Sich zerstreuende und kreuzende Bündel schmaler Farbleisten entfalten Assoziationen in unterschiedlichen Ausmaßen: Konstellationen gefallener Mikadostäbchen, Ausschnitte aus architektonischen Konstruktionen und weite Himmelssichten mit einzelnen Signalen.

Sabine Gille empfindet die Collage als angemessene Darstellung unserer heute oft fragmentierten Wahrnehmung. So hat die Künstlerin Motive auf Leinwand zerlegt und versetzt übereinander als Objekt an der Wand installiert, zum Beispiel den „Bildersturm“, eine irritierende Schichtung von Segmenten aus verschiedenen Gemälden. In anderen Assemblagen kommen weitere Medien wie bezeichnete Papiere und Fetzen von Plakaten hinzu, etwa im Porträt der „Kanonenfrucht“ mit ihrer zentralen Explosionskraft.

Für die Installation „Im Garten des Oktopus“ hat Ilona Reinhardt gleitende Meeresgeschöpfe in griffig-gefilzte und gestrickte Wollwesen verwandelt, kompakte Körper in Regenbogentönen mit gezackten Mäulern, Schwänzen und Fühlern. Eine andere „Garten“-Thematik greift die Künstlerin mit ihrer der Erosion überlassenen Werk-Transformation auf, in der sich unwillkürliche Spuren tierischer und pflanzlicher Organismen eingezeichnet und abgemalt haben, deren Ästhetik zum floralen Muster des Trägertuchs in Kontext gesetzt ist.

Die Arbeiten von Shahin Damizadeh entstehen im fließenden Übergang von zeichenhafter Kalligrafie und malerischer Darstellung in einer dynamischen Pinseltechnik, die orientalische und asiatische Traditionen aufgreift und frei weiter führt. Zum Beispiel in nebelhaften Frauen-Silhouetten zwischen Hervortreten und Verschwinden oder Tulpen, deren kleine rote Blüten von schweren dunklen Blattschwüngen fast verdeckt werden. Mit ihren Kompositionen deutet die Künstlerin Aspekte unseres Lebens in der Welt und regt unsere Phantasie an.

Helga von Berg-Harder zeigt Beispiele der von ihr erfundenen „Fotolyrik“ unter dem Titel „Spektral“. Darin spielen kreisförmige Leuchtobjekte die zentrale Rolle, umgeben von Ausstrahlungen und Spiegelungen in grünrot und blaugelb komplementär kontrastierenden Flächen, die uns in geheimnisvolle Räume entführen. Sehen wir durch die Objektive einer besonders konstruierten Kamera doppelt spektakulär auf ganz gewöhnliche Szenen? Die Auflösung: Die Künstlerin hat die poetischen Reize von Autoscheinwerfern hervorgehoben.

Obere Etage

Für ihre Paradiese hat Liane Lonken irreale Ausblicke geschaffen auf dunstige Feuerhimmel, eisweiße Kanten und kohlige Berginnereien. Begleitet von rohrigen Gewirren und fast skripturalen Schlenkern tauchen wir in helle Höhlen und grüne Grotten, fliegen über lagernde und stürzende Blaubereiche. Auseinanderbrechendes, sich Zergliederndes wechselt mit Aneinanderstoßendem, sich Zusammensetzendem. Die chaotisch anmutende Leichtigkeit dieser abstrakten Räume resultiert aus dem vor allem unbewussten gestischen Malprozess.

In Isabel Kämpfs Werken sind die Farben mal glatter, mal strukturierter in vielen Schichten übereinander gelegt und in Gerinnseln und Sprenkeln über die Leinwand geworfen. Manchmal scheinen sich Explosionen zu ereignen oder eine Mitte wie in einem Malstrom alles an sich zu ziehen, manchmal werden Bewegungen in diffusen Arealen gedämpft. Die starken oder sanften Energien, mit denen die Gemische von Tuschen, Lacken und Acryl auf die Leinwand gebracht sind, übertragen sich in der Betrachtung auf uns.

Ihre Installation „Aussitzen“ erarbeitete Ulrike Eggers aus der zufälligen Entdeckung einer Kissenfüllung, in der Schafswolle durch die Druckwärme dauernden Besessenwerdens zu kompakten Gebilden verklumpte. Daraus schuf die Künstlerin die Oberfläche eines filzig-flusigen Objekts, das zugleich Eindrücke von aufbrechenden Konglomeraten oder vermittelt. Sie könnten für Lösungen aus anhaltenden Konflikten oder Krisen stehen, deren Durchwarten auf einem Küchenstuhl familiäre Ursprünge nahelegt.

Simone Ramshorns Gemälde „Der Himmel ist überall“ lässt uns zur Ruhe kommen: Horizontal lasierende und pastose Schichten von Acryl und Ölkreide in bläulichen und ockerigen Tönen umgeben zentrale dunkelkräftige, zergehende Strukturen, und am oberen Bildrand ziehen sich zarte orange Lichtlinien hin. Halb durchscheinende Dunstspiegel heben die Grenzen von Land, Wasser und Luft auf, und so gleiten unsere Blicke vom Ufer über die See zur Insel bis in die Spuren der späten Sonne und darüber hinweg.

Mit neuen Fotografien der Serie „Revierblick“ bringt Petra Göbel uns zu oft gesehene Ansichten bewusst zur Geltung: eine Standardfassade mit Standardfenstern und lüftendem buntem Bettzeug, das im morgendlichen Ritual Intimes nach außen stülpt. Ebenso unbeachtet bleiben die ästhetischen Strukturen verwitternder Mauern, Straßen und Wege oder ein zusammengerollter neongelber Schlafsack zwischen zwei Treppen. Doch das auf die Stufe darüber gesprühte Wort RAUB weckt plötzlich unsere Aufmerksamkeit für Zusammenhänge.

Karin Christoph stellt u. a. Teile ihrer Serie „All die Möglichkeiten am Horizont“ vor, der zwar in den Motiven nicht erscheint, mit dessen Implikationen die Künstlerin aber spielt. Die von dunklen Fensterlöchern skandierten Fassaden zeigen zunehmende Zersetzungsprozesse, die in der Transferlithographie besonders zur Geltung kommen. In den Vordergrund sind zeichenhaft vergrößert und gelbkreidig akzentuiert symbolhafte Attribute platziert wie eine Biene und Blüten, die jeweils ihr Potential belebender Veränderung mit sich bringen.